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Pferde singen und pfeifen

  • AHK
  • vor 27 Minuten
  • 2 Min. Lesezeit

Schon gewusst? Wenn Pferde wiehern, dann singen und pfeifen sie!


kuer.at Pferde singen und pfeifen
Wiehern bedeutet mehr als gedacht. Fotocredit: Unsplash

Eine überraschende Erkenntnis: Pferde produzieren ihr bekanntes Wiehern nicht nur als einen einzigen Ton, sondern als Kombination aus zwei sehr unterschiedlichen Klangquellen: tiefen Stimmlippenschwingungen und einem hohen Pfeifton, der direkt im Kehlkopf entsteht.


Das Team um Tecumseh Fitch (Uni Wien) und Kollegen führte im Labor Experimente mit ausgeschlachteten Pferdekehlköpfen durch: Man setzte Luftströme an, rekonstruierte typische Wieher-Frequenzen und ersetzte schließlich Luft durch Helium. Dabei verschoben sich die hohen Frequenzanteile stark, die tiefen jedoch nicht. Dieser einfache Trick zeigt: Die hohen Töne verhalten sich wie Pfeiftöne (die sich mit veränderter Schallgeschwindigkeit verschieben), die tiefen stammen von vibrierenden Stimmlippen.


Die Forschenden kombinierten die Luftstrom-Versuche mit bildgebenden Verfahren und fanden im Kehlkopf Hohlräume und seitliche Bläschen, die asymmetrisch angeordnet sind. Solche Strukturen können die Strömungsdynamik so verändern, dass an einer kleinen Öffnung eine Whistle-ähnliche Schallquelle entsteht, also ein Pfeifen im Inneren des Rachens. Damit sind Pferde die ersten großen Säugetiere, bei denen ein solches laryngales Pfeifen dokumentiert wurde.


Neben den Laborversuchen dokumentierten die Forschenden Vorgänge im lebenden Tier (z. B. mit endoskopischen Aufnahmen durch die Nase) und kombinierten diese mit Messungen an Post-mortem-Kehlköpfen.


Die Kombination aus tiefem, körperlich wirkendem Ton und lautem, weitreichendem Pfeifen bietet ökologische Vorteile: In einem einzigen Laut können Pferde zugleich Informationen über Körpergröße oder Identität (tiefe Anteile) und über Erregungszustand oder Reichweite (hohe, gut übertragbare Pfiffe) vermitteln. So lässt sich mit einer einzigen Vokalisation mehrschichtige Information an nahe und ferne Zuhörer senden. Frühere Arbeiten zeigten bereits, dass verschiedene Parameter des Wieherns mit Emotionalität und sozialen Botschaften verknüpft sind; die neue Studie liefert nun eine mechanische Erklärung dafür.


Die Forschenden verorten dieses Merkmal nicht bei allen Equiden: Wildformen wie die Przewalski-Pferde zeigen ähnliche Zweitonigkeit, während Esel und Zebras offenbar nicht dieselbe Whistle-Mechanik nutzen. Das lässt interessante Fragen zur Evolution und Funktion dieses Signals offen.

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