Rainer und Nitsch: Zwei Kunstikonen im Dialog
Zwei große Namen der österreichischen Nachkriegskunst erstmals gemeinsam unter einem Dach: Das Arnulf Rainer Museum in Baden widmet Arnulf Rainer und Hermann Nitsch eine Ausstellung mit rund 120 Werken. Von 24. Oktober 2026 bis 3. Oktober 2027 können Besucherinnen und Besucher die eigenständigen Bildwelten der beiden Künstler im direkten Vergleich erleben.

Was verbindet die kraftvollen Übermalungen Arnulf Rainers mit den expressiven Schüttbildern Hermann Nitschs? Auf den ersten Blick scheinen die beiden Künstler unterschiedliche Wege eingeschlagen zu haben. Doch im Dialog ihrer Werke werden überraschende Gemeinsamkeiten sichtbar: die Bedeutung des künstlerischen Prozesses, Spuren des Körpers und die Frage, wie weit sich Kunst über das klassische Bild hinaus erweitern lässt.
Arnulf Rainer (1929–2025) gilt als Wegbereiter der informellen Malerei in Österreich. Mit seinen seit den 1950er-Jahren entwickelten Übermalungen veränderte er den Blick auf das Bild grundlegend. Hermann Nitsch (1938–2022), Mitbegründer des Wiener Aktionismus, erweiterte mit seinem Orgien-Mysterien-Theater die Kunst um Musik, Performance, Ritual und körperliche Erfahrung.
Die Schau zeigt unter anderem Rainers Werk Selbstbegräbnis oder Christusleid, Christusfreud? sowie Nitschs Schüttbild mit Malerhemd aus der Sammlung Berkson. Die Gegenüberstellung eröffnet neue Perspektiven auf zwei Künstler, die auf ganz unterschiedliche Weise die österreichische Kunst geprägt haben.
Auch der Ort macht den Besuch besonders: Das Museum ist im historischen ehemaligen Frauenbad in Baden untergebracht. Die erhaltene Bäderarchitektur bildet einen außergewöhnlichen Rahmen für diese Begegnung zweier radikaler künstlerischer Positionen. Die Ausstellung ist damit nicht nur für Kenner der österreichischen Kunstgeschichte interessant. Wer sich Zeit nimmt, die Bilder, Materialien und Spuren auf sich wirken zu lassen, kann eigene Zugänge zu den Werken entdecken – ganz ohne kunsthistorisches Vorwissen.


