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Typisch Frau: Nie geraucht und trotzdem Lungenkrebs

  • AHK
  • 29. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Juli

Ein hartnäckiger Husten. Immer ein bisschen müde. Leichte Atemnot beim Treppensteigen. Wer denkt bei solchen Beschwerden schon an Lungenkrebs, vor allem als Frau, die nie geraucht hat und vielleicht erst Mitte 40 ist?


kür Lungenkrebs bei Frauen
Bei Frauen dauert es oft länger bis zur Diagnose. Bild: KI-generiert

Lungenkrebs gilt seit Jahrzehnten als Krankheit älterer, männlicher Raucher. Dieses Bild ist längst überholt. Während die Erkrankungszahlen bei Männern sinken, steigen sie bei Frauen seit Ende der 1990er Jahre kontinuierlich an. Weltweit ist Lungenkrebs mittlerweile die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen, gleich nach Brustkrebs. Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) schlägt anlässlich des Welt-Lungenkrebstages am 1. August Alarm.


Krank, ohne je geraucht zu haben

Rauchen bleibt mit 80 bis 90 Prozent aller Fälle der mit Abstand größte Risikofaktor. Doch ein auffälliger Trend beunruhigt Fachleute: Immer mehr Frauen erkranken an Lungenkrebs, obwohl sie nie oder kaum geraucht haben.


„Rund 80 bis 90 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen stehen weiterhin mit dem Tabakkonsum in Zusammenhang. Dennoch fällt seit einigen Jahren auf, dass vergleichsweise viele Frauen an Lungenkrebs erkranken, obwohl sie nie oder nur wenig geraucht haben. Besonders häufig handelt es sich dabei um das Adenokarzinom, den heute häufigsten Typ des Lungenkrebses ", erklärt OA Dr. Maximilian Hochmair, Leiter der ÖGP-Expertengruppe Pneumologische Onkologie.


Die Gründe dafür sind vielseitig. Passivrauchen erhöht das Risiko nachweislich. Dazu kommen Luftverschmutzung und, vor allem in ärmeren Ländern, jahrelange Belastung durch Rauch von offenen Kochstellen mit Holz, Kohle oder Biomasse. Auch Dämpfe von stark erhitztem Speiseöl stehen unter Verdacht, sich negativ auszuwirken. Da traditionell meist Frauen kochen, trifft sie diese Belastung besonders hart.


Frauenkörper ticken anders

Neben Umweltfaktoren müssen auch biologische Faktoren berücksichtigt werden. Frauen weisen deutlich häufiger sogenannte EGFR-Mutationen auf. Das sind genetische Veränderungen, die einerseits das Tumorwachstum fördern, aber andererseits diese gezielt mit modernen Medikamenten, den Tyrosinkinasehemmern, behandelbar machen. Genau deshalb ist eine umfassende molekulare Diagnostik heute so wichtig für die Therapieentscheidung.


Auch beim Immunsystem, im Medikamentenstoffwechsel und in der Genregulation zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Wie stark weibliche Hormone wie Östrogen dabei tatsächlich mitmischen, ist dagegen weiterhin unklar. OÄ Dr. Romana Wass, PhD, stellvertretende Leiterin der ÖGP-Expertengruppe, warnt vor voreiligen Schlüssen: Zwar besäßen viele Lungentumoren Östrogenrezeptoren, aber ob die Pille oder eine Hormonersatztherapie das Erkrankungsrisiko wirklich verändern, sei bislang nicht eindeutig belegt, die Studienlage sei widersprüchlich.


Zu spät erkannt

Eines der größten Probleme bei Lungenkrebs ist die verschleppte Diagnose. Husten, Atemnot, Rückenschmerzen, Müdigkeit oder Gewichtsverlust – all das klingt harmlos und wird gerade bei jüngeren Frauen selten mit einer Lungenerkrankung in Verbindung gebracht.

„Mehrere Untersuchungen weisen darauf hin, dass Frauen später diagnostiziert werden als Männer und häufiger mehrere Arztkontakte benötigen, bevor die richtige Diagnose gestellt wird", so Wass. Der Grund: Das Bild vom typischen Lungenkrebspatienten als älterer rauchender Mann sitzt tief und lenkt den Verdacht in die falsche Richtung.


Studien ohne Frauen

Ein zusätzliches Problem betrifft die Forschung selbst. Über Jahre waren Frauen in klinischen Studien zu Lungenkrebs deutlich unterrepräsentiert. Die Folge: Das Wissen über Dosierungen, Nebenwirkungen und Therapieerfolge stammt größtenteils von männlichen Patienten.


„Heute weiß man, dass Frauen unter bestimmten Krebstherapien häufiger Nebenwirkungen entwickeln können. Dies betrifft unter anderem Übelkeit, neurologische Beschwerden und einige immunvermittelte Nebenwirkungen", so Hochmair. Ob daraus künftig eigene, geschlechtsspezifische Dosierungsempfehlungen entstehen, wird derzeit erforscht, gesicherte Empfehlungen gibt es bisher nur vereinzelt. Auch beim Ansprechen auf Immuntherapien zeigen sich Unterschiede, wobei vermutlich weniger das Geschlecht selbst, als die unterschiedliche Häufigkeit bestimmter Genmutationen dahintersteckt.


Was sich jetzt ändern muss

Einen eigenen "Frauen-Lungenkrebs" gibt es laut Wass nicht. Was es aber braucht, ist mehr Aufmerksamkeit für biologische und gesellschaftliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und zwar bei Prävention, Diagnostik und Behandlung gleichermaßen. Konkret fordert die ÖGP:

  • Lungenkrebs auch bei Nichtraucherinnen frühzeitig in Betracht ziehen,

  • Frauen konsequent in klinische Studien einbeziehen,

  • molekulare Tumoranalysen bei allen geeigneten Patientinnen und Patienten durchführen,

  • Umwelt- und Passivrauchbelastungen stärker berücksichtigen,

  • künftige Screeningprogramme besser an individuelle Risikoprofile anpassen.

 

Umdenken kann Leben retten

„Lungenkrebs ist längst keine Erkrankung, die ausschließlich ältere männliche Raucher betrifft. Frauen erkranken häufig unter anderen Voraussetzungen, zeigen teilweise andere Tumoreigenschaften und stehen vor besonderen Herausforderungen bei Diagnose und Behandlung", bringt Hochmair es auf den Punkt.


Wass ergänzt: Geschlechtssensible Medizin bedeute nicht, Männer und Frauen grundsätzlich unterschiedlich zu behandeln, sondern biologische Unterschiede wissenschaftlich ernst zu nehmen und jedem Patienten sowie jeder Patientin die individuell bestmögliche Versorgung zu ermöglichen. Gerade bei Lungenkrebs könnte genau dieses Umdenken künftig darüber entscheiden, ob eine Erkrankung früh genug erkannt wird und ob Betroffene überleben.

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