Notruf vom Nordpol: Artenvielfalt in akuter Gefahr
- AHK
- vor 9 Minuten
- 2 Min. Lesezeit
Die arktische Tierwelt steht an einem kritischen Punkt. Laut WWF sind Eisbären, Walrosse, Ringelrobben und spezialisierte Seevögel wie die Elfenbeinmöwe zunehmend durch die doppelte Belastung aus Klimakrise und rasanter industrieller Ausbeutung bedroht.

Schmelzendes Eis als existenzielle Bedrohung
Die Arktis erwärmt sich dramatisch schneller als der globale Durchschnitt. Dies führt zu einem massiven Rückgang des Meereises. Für an das Leben im Eis angepasste Tiere, wie beispielsweise den Eisbären, bedeutet das mehr als nur den Verlust seines Lebensraumes. Diese Tiere verlieren wertvolle Jagdzeit, wenn das Meereis früher schmilzt und später als üblich zufriert. Das ist besonders bedrohlich für Weibchen mit Jungtieren.
Walrosse, die normalerweise auf dem Packeis zwischen ihren Tauchgängen rasten, müssen immer häufiger überfüllte Strände als Ersatzlager nutzen. Das steigert Stress, Energieaufwand und das Risiko, dass Jungtiere beim Gedränge zertrampelt werden.
Rasante Industrialisierung verschärft die Lage
Doch nicht nur die Erderwärmung macht der Tierwelt zu schaffen: Die wachsende Öl-Industrie dringt zunehmend in bislang unzugängliche Gebiete in Grönland und Kanada vor und zerstört wertvolle Lebensräume. Meeressäuger werden außerdem vom ständigen Schiffsverkehr gestört, was sich mitunter auf ihre Kommunikation und Wanderbewegungen auswirkt.
WWF-Artenschutzexperte Georg Scattolin bringt das Dilemma auf den Punkt: „Als hätten es die Tiere in der Arktis nicht schon hart genug, mit den Folgen der Erderhitzung zurechtzukommen. Politische Interessen und Ressourcengier machen es ihnen noch schwerer, ihre Jungen großzuziehen und genügend Nahrung zu finden.“
Alarmierende Rote Liste
Aktuelle Updates der Roten Liste gefährdeter Arten zeigen die dramatischen Veränderungen deutlich: 3 Robbenarten, darunter die Klappmütze, wurden hochgestuft, nachdem ihre Bestände stark gesunken sind. Auch die Walrosse bleiben in der Kategorie „gefährdet“. Diese Entwicklung macht klar: Der Druck auf die arktische Natur wächst, während die Zeit zum Handeln immer knapper wird.
Als Antwort auf diese alarmierende Entwicklung fordert der WWF einen konsequenten Ausstieg aus fossilen Energien und die Einrichtung wirksamer Schutzgebiete in der Arktis. Besonders während sensibler Phasen, wie der Aufzucht der Jungen, brauchen die Tiere ungestörte Rückzugsräume.
„Langfristig braucht es aber die Ausweisung von unantastbaren Gebieten, in denen Bohrungen, Schifffahrt oder sonstigen Eingriffe in die Natur verboten sind – ansonsten werden wir die seltenen arktischen Arten für immer verlieren”, so Scattolin.
